Familienalltag

Familienberatung: Rat suchen und Konflikte lösen

Die letzten 1,5 Jahre boten jede Menge Konfliktpotenzial. Besonders in Familien war (und ist) pandemiebedingt die Belastung groß. Das stellt auch Miriam Thaler, Sozialpädagogin bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Oberbayern fest. Tagtäglich berät sie Mütter und Väter, die nicht mehr weiter wissen. Welche besonderen Herausforderungen Corona mit sich brachte, fragten wir die Expertin im Interview.

Ciao Cacao: Mit welchen Problemen kamen Eltern in den vergangenen Monaten zu Ihnen?

M.Thaler: Vor allem mit großen Themen wie z. B. Problemen mit dem Homeschooling, Depressionen, Essstörungen oder eskalierenden Situationen in der Familie. Ich hatte den Eindruck, dass vorhandene Probleme intensiver wurden. Anmeldungen neuer Familien wegen kleinerer Baustellen wie etwa Fragen zum Umgang mit trotzigen Kleinkindern gab es dagegen kaum.

Ciao Cacao: Gibt es derzeit keine trotzigen 3-jährigen?

M. Thaler: Doch, natürlich! Aber die Eltern hielten sich damit zurück, bei uns Hilfe zu suchen.

Ciao Cacao: Woran lag das Ihrer Meinung nach?

M. Thaler: Einige Eltern hatten wohl den Eindruck, Rücksicht auf andere Familien nehmen zu müssen. Der Gedanke dahinter: ‚Andere Familien haben größere Probleme als wir und brauchen die Beratung dringender‘. So verzichteten Familien auf eine Kontaktaufnahme, obwohl ihnen ein Beratungsangebot gut getan hätte.

Familienberatung so früh wie möglich in Anspruch nehmen

Ciao Cacao: Warum kann es helfen, schon mit kleinen Problemen zu Ihnen in die Familienberatung zu kommen?

M. Thaler: Je früher an Erziehungsthemen gearbeitet wird, umso leichter lassen sie sich lösen. Und umso weniger wahrscheinlich ist es, dass sie zu großen Problemen werden.

Ciao Cacao: Wie ist es mit Streitigkeiten zwischen Geschwistern oder generell innerhalb der Familie. Wurden die aufgrund von Corona-Regeln wie sozialer Distanz mehr?

M. Thaler: Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Was ich aber sagen kann ist, dass die Situation extrem herausfordernd war und noch immer ist. Da sind plötzlich Eltern von Kurzarbeit und Job-Verlust bedroht. Kinder kämpfen mit Homeschooling-Hürden und Arbeitsraum und Lebensraum lassen sich auch nicht mehr vernünftig trennen. Streitigkeiten zwischen Geschwistern sind allerdings auch normal und wichtig für die Entwicklung der Kinder. Natürlich kommt es häufiger zu Konflikten, wenn man mehr Zeit zu Hause verbringt.

Ciao Cacao: Wie helfen Sie konkret, wenn verzweifelte Eltern mit derartigen Schwierigkeiten zu Ihnen kommen?

M. Thaler: Ich höre zu, berate und versuche den Ursachen der Probleme auf den Grund zu gehen und gemeinsam mit den Familien Lösungen zu finden. Manchmal spreche ich nur mit Eltern, manchmal arbeite ich mit der ganzen Familie. Manchmal lege ich den Fokus auf die Arbeit mit dem Kind bzw. Jugendlichen und tausche mich dabei intensiv mit den Eltern aus. Dabei gilt: Jede Familie ist anders und funktioniert nach eigenen Regeln.


Miriam Thaler ist Sozialpädagogin und Mutter von drei Kindern. Sie arbeitet im Team der AWO-Beratungsstelle Garching, die auch Außenstellen in Ismaning und Unterföhring unterhält. Die Beratungsstelle richtet sich an Eltern, Kinder und Jugendliche mit Fragen oder Problemen. Das Themenspektrum reicht dabei von Familienberatung über Erziehungsberatung und Paarberatung bis hin zu Fragen rund um Trennung und Scheidung.

Mutter von Vieren und brennt als solche für Familienthemen, schreibt gern, arbeitet im Online-Marketing, ist Multitasking-geübt, mag Sci-Fi, hasst Rosenkohl, ist beim FamilienHaus Unterföhring e.V. für den Bereich Presse zuständig, aufgewachsen in Nordhessen, beheimatet im schönen Unterföhring in Bayern.

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