Familienalltag

Väter in Elternzeit – (K)ein Selbstverständnis

Nach Kind Nr. 1 ging ich nach wenigen Monaten wieder arbeiten. Mein Mann nahm Elternzeit und fand sich plötzlich als einziger Vater umringt von stillenden Müttern im Pekip-Kurs wieder. Dieses Erlebnis liegt 12 Jahre zurück. Und heute? Sind Väter in Elternzeit immer noch Exoten? Darüber sprach ich mit dem Blogger Heiner Fischer von Vaterwelten.

Ciao Cacao: Du bist Vater von 2 kleinen Kindern. Wie lange warst Du jeweils in Elternzeit?

H. Fischer: Beim ersten Kind 7 Monate. Aktuell, beim zweiten Kind, sind es insgesamt 2,5 Jahre.

Als Vater in Elternzeit – Die Reaktionen

Ciao Cacao: Das ist deutlich mehr als die klassischen 2 Väter-Monate je Kind. Wie reagiert Dein Umfeld darauf?

H. Fischer: Sehr unterschiedlich. In der ersten Elternzeit hat mein damaliger Chef Unverständnis gezeigt. Was mich letztlich zu einem Job-Wechsel bewogen hat. Vormittags auf dem Spielplatz schlägt mir dagegen immer viel Bewunderung entgegen. Was ich komisch finde.

Ciao Cacao: Warum?

H. Fischer: Für die Kinder da zu sein, muss meiner Meinung nach auch für Väter selbstverständlich sein. Ich will keinen Applaus für meine Elternzeit. Frauen applaudiert ja auch niemand.



Steckbrief

heiner fischer, vaterwelten
C. by Simon Erath

Heiner Fischer ist Vater, Ehemann, Sozialarbeiter und Blogger. Auf www.vaterwelten.de schreibt er über moderne Väter und aktive Vaterschaft. Zusätzlich hält er Seminare und Vorträge und bietet alle 14 Tage Online-Gesprächskreise für Väter an.


Andere Impulse setzen


Ciao Cacao: Apropos Frauen: Wie hat das Umfeld Deiner Frau auf ihre schnelle Rückkehr in den Berufsalltag reagiert?

H. Fischer: Mit Erstaunen und Skepsis. Sie wurde zum Beispiel einmal gefragt, ob ich den Job daheim überhaupt hinkriege. 

Ciao Cacao: Und? Kriegst Du ihn hin?

H. Fischer: Natürlich! Auch wenn die Impulse, die ich gebe manchmal anders aussehen als die meiner Frau. Ich spiele zum Beispiel ganz anders mit meinen Kindern.

Ciao Cacao: Wieso war es Dir so wichtig, Elternzeit zu nehmen?

H. Fischer: Weil ich ein aktiver Vater sein will. Mein eigener Vater gehört zur Generation der abwesenden Väter. Das wollte ich für mein eigenes Familienmodell auf keinen Fall. Ich will am Leben meiner Kinder teilhaben. Für mich ist selbstverständlich, dass nicht nur Mütter sondern auch Väter länger in Elternzeit gehen.

Und was kommt nach der Elternzeit?

Ciao Cacao: Demnächst endet Deine zweite Elternzeit. Wie geht es danach weiter? Vollzeit im Beruf?

H. Fischer: Nein. Sobald beide Kinder den Kindergarten besuchen, werde ich mit 19 Stunden in Teilzeit arbeiten. Meine Frau arbeitet 28 Stunden. So sind wir als Familie gegen 14 Uhr wieder zusammen.

Ciao Cacao: Das klingt toll, lässt sich allerdings von vielen Eltern nicht realisieren.

H. Fischer: Natürlich muss man immer individuell schauen, was überhaupt möglich ist. Das allerdings frühzeitig. In meinen Beratungen stelle ich immer wieder fest, dass Paare viel zu spät überlegen, welche Form der Familie sie eigentlich leben wollen. So entstehen dann mit der Geburt der Kinder Konflikte. Dann nämlich stellen Paare, die zuvor in einer gleichberechtigten Partnerschaft lebten, fest, das sie plötzlich im Rollenmodell der 60er gefangen sind. Jetzt die Bremse zu ziehen ist schwierig. Besser ist es, bereits bei der Familienplanung darüber zu sprechen, wie man sich die Aufgabenverteilung im künftigen Leben mit Kindern vorstellt.

Mutter von Vieren und brennt als solche für Familienthemen, schreibt gern, arbeitet im Online-Marketing, ist Multitasking-geübt, mag Sci-Fi, hasst Rosenkohl, ist beim FamilienHaus Unterföhring e.V. für den Bereich Presse zuständig, aufgewachsen in Nordhessen, beheimatet im schönen Unterföhring in Bayern.

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