Buchtipps,  Familienalltag,  Gesundheit

Jede 3. Frau: Interview mit Natascha Sagorski

Warum wird eigentlich immer noch so unglaublich wenig über Fehlgeburten und Sternenkinder geredet? Dieser Gedanke kommt mir regelmäßig in den Wintermonaten: Der Grund dafür: Vor einigen Wintern war ich selbst betroffen. Diese schmerzhafte Erfahrung teile ich mit der Autorin Natascha Sagorski. Ihr neues Buch „Jede 3. Frau“ thematisiert das Thema Fehlgeburten in Form von ganz individuellen Erfahrungsberichten. Darunter ist auch ihre eigene Geschichte.


Steckbrief

Natascha Sagorski lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Landkreis München. Sie arbeitete als Kolumnistin und Moderatorin für verschiedene Magazine und veröffentlichte mehrere erzählende Sachbücher sowie zwei Romane. Durch ihre eigene Fehlgeburt kam sie auf die Idee, Geschichten von Menschen zu sammeln, die Ähnliches erlebt haben. Am 21. Februar erschien ihr Buch „Jede 3. Frau“. 


Ciao Cacao: Liebe Natascha, was hat Dich angetrieben „Jede 3. Frau“ zu schreiben?

Natascha Sagorski: Nach meiner eigenen Fehlgeburt 2019 war ich psychisch in einem ziemlich tiefen Loch. Ich machte mich auf die Suche nach Erfahrungsberichten zum Thema. Dabei wollte ich allerdings keine medizinischen Abhandlungen lesen sondern Mutmach-Geschichten. Geschichten von Frauen, die das gleiche durchlebt hatten wie ich und die aus ihrem Tief wieder herausgefunden hatten. Das Problem war: Derartige Bücher habe ich nicht gefunden.

Ciao Cacao: Also hast Du beschlossen, selbst eines zu schreiben?

Natascha Sagorski: Genau. Ich suchte dafür Frauen, die ihr Kind in der Schwangerschaft verloren haben und ihren Weg aus der Krise gefunden haben – Frauen für die es letztlich doch ein „Happy End“ gab.

Ciao Cacao: Frauen, die also nach ihrer Fehlgeburt doch noch ein gesundes Kind zur Welt brachten?

Natascha Sagorski: Bei vielen der von mir interviewten Frauen war das der Fall. Bei mir selbst ebenfalls. Ein Happy End kann aber auch anders aussehen. So hat zum Beispiel eine Frau nach ihrem Verlust mit dem Kinderwunsch abgeschlossen – ohne Verbitterung. Sie betrachtet heute die kurze Zeit ihrer Schwangerschaft als Geschenk.

Ciao Cacao: Inwieweit hat es Dir selbst geholfen, dieses Buch zu schreiben?

Natascha Sagorski: Sehr. Auch deshalb, weil ich schnell feststellte, das ich überhaupt nicht allein bin mit meiner Erfahrung. Das zeigt sich sehr deutlich im Titel meines Buches. Jede 3. Frau ist betroffen. Und allein diese Tatsache ist viel zu wenig bekannt!

Ciao Cacao: War es schwer, Interviewpartner:innen für die Erfahrungsberichte zu finden?

Natascha Sagorski: Nein, gar nicht. Das hat mich selber überrascht. Ich startete einen Aufruf über die sozialen Netzwerke und bekam sehr, sehr viele Antworten. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte nämlich, über dieses Thema will sicher kaum jemand reden. Schließlich ist es mit Schmerz verbunden. Ich habe mich geirrt, für viele Frauen war es stattdessen befreiend, ihre Geschichte erzählen zu können.

Das Thema Fehlgeburt ist nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen

Ciao Cacao: Was hast Du selber aus den Interviews mitgenommen?

Natascha Sagorski: Mir wurde sehr deutlich bewusst, dass das Thema Fehlgeburt in unserer Gesellschaft weder richtig angekommen ist, noch mit der gebührenden Sensibilität behandelt wird. So berichteten z.B. etliche der Frauen wie überfordert Ärzte und Ärztinnen mit dem Überbringen schlechter Nachricht waren. „Ihr Baby hat keinen Herzschlag mehr!“ Dieser Satz sitzt. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber viele Ärzte fangen Frauen nach dieser Aussage nicht auf, sondern schicken sie direkt in die Klinik. Obwohl es auch andere Möglichkeiten gibt, mit einer Fehlgeburt umzugehen und jeder Betroffenen eine Hebammenbegleitung zusteht. Das wird aber häufig nicht kommuniziert.

Für Ärzte sind für den Umgang mit solchen Situationen eigentlich standardisierte Schulungen nötig. Das hat mir eine Gynäkologin bestätigt. Neben den vielen betroffenen Frauen habe ich auch sie interviewt. Ebenso wie einen Mann, dessen Partnerin das gemeinsame Baby in der Schwangerschaft verloren hat.

Ciao Cacao: Was wünschst Du Dir für die Leser:innen Deines Buches?

Natascha Sagorski: Ich wünsche mir, dass mein Buch ihnen Trost spendet und ihnen zeigt, dass sie nicht allein sind mit ihrer Erfahrung. Vielleicht motiviert es auch die eine oder andere, selbst über ihre Erfahrungen zu sprechen. Oft findet man, sobald man sich öffnet, Frauen im direkten Umfeld, denen es genauso ergangen ist. Und zusammen ist man einfach weniger alleine.

Ihr möchtet das Buch haben? Dann geht es 📚 hier entlang 📚.


Hinweis: In diesem Beitrag verwenden wir Affiliate-Links. Wenn Du auf so einen Link klickst und auf der Zielseite einkaufst, bekommen wir von dem betreffenden Online-Shop eine Provision. Für Dich verändert sich der Preis nicht.

Mutter von Vieren und brennt als solche für Familienthemen, schreibt gern, arbeitet im Online-Marketing, ist Multitasking-geübt, mag Sci-Fi, hasst Rosenkohl, ist beim FamilienHaus Unterföhring e.V. für den Bereich Presse zuständig, aufgewachsen in Nordhessen, beheimatet im schönen Unterföhring in Bayern.

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.