Buchtipps,  Gleichstellung

Buchtipp „Es geht nur gemeinsam“ von Jutta Allmendinger

Heute habe ich seit langem mal wieder einen Buchtipp im Gepäck. Ohne Abbildungs- und Quellenverzeichnis hat das betreffende Buch nur 111 Seiten – machbar an einem Abend, könnte man meinen. Stimmt aber nicht. Ich habe für „Es geht nur gemeinsam!“ von Jutta Allmendinger eine Woche gebraucht – weil ich nie mehr als maximal 10 Minuten ungestörte Lesezeit pro Tag übrig hatte und weil ich auf keinen Fall etwas „überlesen“ wollte. Der Inhalt war mir zu wichtig. Das Buch ist nämlich eine Streitschrift rund um das Thema Geschlechtergerechtigkeit und welche Auswirkungen die Corona-Pandemie darauf hat.

Wie das Buch entstand

Jutta Allmendinger ist Soziologin und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, dem größten europäischen Soziologie-Instituts. Im Mai 2020 nahm sie als Gast bei einer Talkrunde von Anne Will teil und wurde dort gefragt, ob die Corona-Krise Frauen zurückgeworfen habe. Ja, antwortete sie. Die Corona-Situation wirke auf lange bestehende Problematiken gewissermaßen wie ein Brennglas. „Die Frauen werden eine entsetzliche Re-Traditionalisierung weiter erfahren. Ich glaube nicht, dass man das so einfach wieder aufholen kann und dass wir von daher bestimmt drei Jahrzehnte verlieren“, führte Allmendinger aus. Im Anschluss an die Sendung wurde ihre Aussage in den Medien kontrovers diskutiert. Ich habe mir einige Zeitungsartikel und Kommentare in den sozialen Medien zur Sendung durchgelesen – vor allem Männer kritisierten die bekannte Soziologin. Ihr Statement sei völlig übertrieben.

Es geht nur gemeinsam – Darum geht es

Sie schrieb daraufhin das Buch „Es geht nur gemeinsam„. Hier belegt sie ihre Aussagen zur Re-Traditionalisierung mit Hilfe von Zahlen und Statistiken. Hinzu kommen ihre eigenen Erfahrungen als Frau, Mutter und Forscherin, die zu einer Zeit Karriere als Uni-Professorin machte, als das für Frauen hierzulande noch die absolute Ausnahme war.

In ihrem Buch geht sie von einem vierfahren Gender Gap aus. Dem Pay Gap, dem Care Gap, dem Position Gap und dem Pension Gap. Sie analysiert die 4 Gaps und zeigt auf, wie sich ihr Ineinandergreifen zum Nachteil von Frauen auswirkt. Wo es politisch harkt, deckt Allmendinger dabei schonungslos auf. Etwa, indem sie zeigt, dass sich auch im Hier und Heute im Rahmen der deutschen Sozialpolitik für viele Frauen der Heiratsmarkt mehr als der Arbeitsmarkt lohnt. Sie zeigt außerdem auf, wie und womit selbst Paare, denen Gleichberechtigung ein echtes Herzensanliegen ist, nach der Geburt des ersten Kindes ausgebremst werden.

Ich habe das Buch gelesen und war danach schockiert. Hier hat eine Frau mit jeder Menge Expertise schonungslos den Finger auf sozialpolitische Missstände gelegt. Wer immer noch glaubt, Geschlechtergerechtigkeit existiere bereits, dem lege ich dieses Buch deshalb wärmstens ans Herz.


Ende Januar war Jutta Allmendinger im Rahmen der Kooperationsreihe Eltern als Team zu Gast beim FamilienHaus Unterföhring e.V.. Hier stellte sie die Kernaussagen ihres Buches vor. Unter den Gästen war auch Ciao Cacao-Autorin Daniela. Ihr haben wir das folgende Sketchnote zu verdanken.

Copyright Daniela Engelhard

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Mutter von Vieren und brennt als solche für Familienthemen, schreibt gern, arbeitet im Online-Marketing, ist Multitasking-geübt, mag Sci-Fi, hasst Rosenkohl, ist beim FamilienHaus Unterföhring e.V. für den Bereich Presse zuständig, aufgewachsen in Nordhessen, beheimatet im schönen Unterföhring in Bayern.

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