Lernen und Medien

Schulbedarf und was er kostet

In 2 Tagen beginnt das neue Schuljahr. Es wird also Zeit, die neu gekauften Schulmaterialien auf die 3 Schulkinder zu verteilen. Ich habe also alles auf einen großen Haufen gekippt. „Alter, ist das viel!“ kommentierte mein großer Sohn. „So ist es, Alter! Und sauteuer noch dazu“, ergänzte ich im Kopf. 

Wie teuer der Berg aus Heften, Stiften, Ordnern, Hefthüllen, Blöcken und Co. denn nun wirklich war, musste ich erstmal rekapitulieren. Ein paar Rechnungen hat mein Mann übernommen, ein paar ich. Und außerdem haben wir nicht alles auf einmal gekauft, denn sobald der Discounter um die Ecke Hefte, Fineliner und Blöcke unterjährig im Angebot hat, schlage ich zu. 

Von A wie Atlas bis T wie Turnschuhe

Nichtsdestotrotz: Die meisten Rechnungen fanden wir wieder und kamen auf satte 420 Euro zum Schulstart. Darin sind neben den obligatorischen Schreibutensilien größere Posten (neuer Schulranzen für den angehenden 5.-Klässler, 2 Paar Turnschuhe) und jede Menge Kleinzeug wie Geodreiecke, Radierer, neue Farben für den Wassermalkasten und Hefthüllen enthalten. Nicht zu vergessen insgesamt 6 Arbeitshefte plus 1 Atlas, die allein 100 Euro kosteten. 

Die 420 Euro sind auch noch nicht das Ende der Fahnenstange. Für die Tochter kommt während der ersten Schulwochen noch ein Taschenrechner hinzu. Und auf den Materiallisten der Kinder findet sich bei vereinzelten Fächern der Vermerk „Material individuell nach Absprache mit der jeweiligen Lehrkraft“. Übersetzt bedeutet das, dass Frau Rügenwalder an Tag 3 der ersten Schulwoche bekannt gibt, dass die Kinder für Physik 2 A4- Hefte in Lineatur 4711 benötigen. Aber nur die mit angedeutetem Rand! Nicht mit durchgezogenem! Und die Hefthüllen bitte in hellem Lavendel.

Derartige Sonderwünsche haben zur Folge, dass ich nicht einfach beim Online-Shop mit dem großen A einkaufen kann, sondern einen gut sortierten Schreibwaren-Laden aufsuchen muss – in dem die 2 Physik-Hefte samt Hüllen dann 5 EUR kosten. 

Die Preise für Schulbedarf sind gestiegen

So weit, so lustig. 420 Euro sind ein Wort. Und übrigens auch eine ordentliche Preissteigerung im Vergleich zum Vorjahr. Schulbedarf ist teuer geworden. Ebenso wie Arbeitshefte. Damit reiht sich der Schulbedarf ein in eine lange Liste von Dingen, deren Kauf plötzlich richtig weh tut. Okay, meine Familie hat mit 4 Kindern quasi „Übergröße“. Also habe ich Tanja mit gefragt, wieviel Geld sie für ihre beiden schulpflichtigen Mädels ausgegeben hat. 350 EUR, erklärt sie. Darunter sind bei ihr neben Verbrauchsmaterialien und Workbooks Posten wie Miete für den Schulspind und die für die Grundschule erforderlichen Hausschuhe.

Spar-Ideen für die Tonne

Auch bei 2 Kindern immer noch sehr viel Geld, finde ich. Kann man bei derartigen Summen eigentlich noch von Lernmittelfreiheit und Bildungsgerechtigkeit sprechen? Wohl eher nicht. Auch wenn die Bücher vom Land Bayern übernommen werden: Die Arbeitshefte werden es nicht. Und der riesige Berg von Arbeitsmaterialien auch nicht. „Meine Güte!“ sagt da vielleicht der oder die eine oder andere. „So ein Lineal kann man notfalls auch mit dem Banknachbarn teilen! Und kauft halt den neuen Schulranzen beim Discounter!“

„Völliger Blödsinn!“, antworte ich da. In Zeiten von Corona darf gar nichts geteilt werden. Und der Schulranzen vom Discounter ist erstens ergonomisch grenzwertig und kann zweitens dazu führen, dass das Kind der Eltern, die ihn gekauft haben, gemobbt wird. Denn offenkundig ist die Familie ja zu arm für Scout und Co (Kinder sind da gnadenlos). 

Was machen Familien, deren Geldbeutel leer ist?

Rege eigentlich nur ich mich so auf über diese horrenden Preise zum Schulstart? Und darüber, dass das Problem keine Beachtung findet? Was ist eigentlich mit den Familien, die diese Extra-Kosten gar nicht stemmen können? Die, die statt wütend zu bloggen, eine E-Mail mit der Bitte um Unterstützung an Vereine wie die Bunten Münchner Kindl schreiben? Sie werden immer mehr – das sieht man zum Beispiel am Hashtag #Ichbinarmutsbetroffen, der in den Sozialen Medien inzwischen eine enormen Reichweite hat. Gestern begegnete mir ein kleiner Hoffnungsschimmer auf Facebook. Da stieß ich auf einen Post der BayernSPD. Sie setzt sich dafür ein, dass zumindest Arbeitshefte und technisches Equipment in die Lernmittelfreiheit aufgenommen werden. Super Sache, finde ich!

Unabhängig davon, wie der Antrag ausgeht, fange ich sicherheitshalber schonmal an, für den Schulanfang 2023/24 zu sparen. Denn da wird Kind Nr. 4 eingeschult. 

Mutter von Vieren und brennt als solche für Familienthemen, schreibt gern, arbeitet im Online-Marketing, ist Multitasking-geübt, mag Sci-Fi, hasst Rosenkohl, ist beim FamilienHaus Unterföhring e.V. für den Bereich Presse zuständig, aufgewachsen in Nordhessen, beheimatet im schönen Unterföhring in Bayern.

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